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Stammzellentscheidung im Bundestag: Wie geht es weiter?

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Mit deutlicher Mehrheit - nämlich 346 gegen 228 - stimmten Abgeordnete des Bundestages für eine Verschiebung des Stichtages für den Import humaner embryonaler Stammzellen aus dem Ausland auf den 1. Mai 2007.

Diese Nachricht nimmt die Deutsche Gesellschaft für Regenerative Medizin mit Erleichterung auf. Denjenigen Abgeordneten, die zugestimmt haben, danken wir sehr. Respekt und Dank verdienen jedoch alle Teilnehmer dieser Debatte und nicht nur die Befürworter einer Änderung des Stammzellgesetzes. Die intensiven und oft kontroversen Diskussion haben alle Beteiligten zu neuem und tiefem Nachdenken über Lebensschutz, Menschenwürde und ethischen Grenzziehungen veranlasst und eine breite Öffentlichkeit für die Fragen der Stammzellforschung sensibilisiert.

Das Ergebnis der Abstimmung im Bundestag am vergangenen Freitag hat eine weitreichende Signalwirkung für die deutsche Wissenschaft:
Dass Spitzenforschung in Deutschland ihren Platz hat, dass Lebenswissenschaften an Stellenwert gewonnen haben, dass die Wissenschaft das Vertrauen der Politik und der Gesellschaft genießt.
Es herrscht auch Einigkeit darüber, und dem haben auch rückhaltlos alle Befürworter einer Liberalisierung der alten Importregelung des Stammzellgesetzes zugestimmt, dass Embryonen nur für menschliches Leben erzeugt werden sollen und dass menschliches Leben nicht instrumentalisiert werden darf. Viele, sowohl, Befürworter als auch Gegner, haben in dem Prozess einen noch nie da gewesenen, tiefgreifenden Dialog geführt und ein Verständnis für die gegenseitige Position erreicht.

Auch das Ausland hat die Abstimmung im Deutschen Bundestag mit enormer Spannung verfolgt.
Bei der Abstimmung im Parlament stand auch zur Disposition, ob wir als "Land der Ideen und Innovationen" ernst genommen werden können und wollen. Andere Länder wie Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark, Finn¬land, die Niederlande, Belgien, Spanien und Tschechien lassen embryonale Stammzellforschung in erheblichem Umfang zu und fassen deren Gren¬zen viel weiter als Deutschland. Auch in diesen europäischen Staaten, die ebenfalls in der christlichen Tradition verwurzelt sind, ist eine sorgfältige ethische Wertung der Stammzellforschung erfolgt. Die neuen Festlegungen im Stammzellgesetz zur strafrechtlichen Verantwortung tragen zur Rechtssicherheit bei und schaffen für deutschen Wissenschaftlern eine klare Position bei Kooperationen mit ausländischen Partnern, insbesondere auch im Rahmen der Europäischen Forschungsförderung. Das Abstimmungsergebnis vom vergangenen Freitag hat unser Land nicht zu einer Insel in der Stammzellforschung in Europa werden lassen.

Wir sollten uns aber strikt davor hüten, unerfüllbare Hoffnungen auf Therapien mit embryonalen Stammzellen zu wecken, wie dies vor einigen Jahren im Bereich der Gentherapie geschehen ist. Aus der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen haben wir in der jüngsten Zeit viel über die grundlegende Steuerungs- und Interaktionsmechanismen von Stammzellen gelernt; ein Paradebeispiel hierfür sind die sogenannten „induzierten pluripotenten Stammzellen“. Der Fokus der embryonalen Stammzellforschung ist reine Grundlagenforschung, von der die Regenerativen Medizin aber in einer Vielzahl von Bereichen in Zukunft profitieren wird. Und dies auch durch Forschung und substanzielle Beiträge aus unserem Land!