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Presseinformation zum Parlamentarischen Abend am 17.2.2005

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Parlamentarischer Abend der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin mit Dagmar Roth-Behrendt, MdEP

Frankfurt, März 2005. Auf 25 Mitgliedsstaaten ist die Europäische Union inzwischen angewachsen. 25 Mitgliedstaaten – das bedeutet nicht nur eine Vielfalt an Sprachen und Kulturen, sondern auch unterschiedliche Auffassungen darüber, was in der biomedizinischen Forschung erwünscht und erlaubt ist. Besonders deutlich wird dies bei der Forschung an embryonalen Stammzellen, einem der grundlegenden wissenschaftlichen Arbeitsgebiete der Regenerativen Medizin. Auf einem Parlamentarischen Abend der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin legte die Europaabgeordnete und Vizepräsidentin der Europa-Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt (SPD), den aktuellen Diskussionsstand in der EU zu dieser Frage dar. Stammzellforschung in Deutschland und Europa aus wissenschaftlicher Sicht beleuchteten der Herzchirurg Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Universität Rostock, einer der Pioniere der Stammzelltherapie beim Herzinfarkt, und Dr. Volker Jacobs, Stammzellforscher und Mediziner, TU München.

Als Expertin für Gesundheitspolitik in der EU erläuterte Roth-Behrendt zunächst die unterschiedlichen Kompetenzen, die Europa als Gesetzgeber auf diesem Gebiet hat. Anders als beim Umwelt- und Verbraucherschutz liegt die Gesetzgebungskompetenz hier nach wie vor bei den einzelnen Staaten. Dagegen erlässt die EU bereits seit Anfang der 90er Jahre die Gesetze im gesamten pharmazeutischen Bereich, etwa zur Gestaltung von Beipackzetteln und Verpackungen, zur Werbung für Medikamente und, in jüngster Zeit, zur Zulassung von Arzneimitteln.

Beim Tissue Engineering, also der Zucht von menschlichem Zellmaterial, um krankes Gewebe zu ersetzen, gibt es allerdings keine EU-einheitliche Gesetzgebung. Hier regelt jedes Land selbst die Forschungsmöglichkeiten, den therapeutischen Einsatz und die dabei geltenden Standards. Allerdings arbeitet die Europäische Kommission zur Zeit einen Gesetzgebungsvorschlag zu diesem Themenkomplex aus.

Frau Roth-Behrendt gab der Hoffnung Ausdruck, dass bei einer zukünftigen Beschlussfasssung zur Stammzellforschung auch die Belange Europas als Forschungsstandort berücksichtigt werden. Sie appellierte an die Wissenschaftler, bereits im Vorfeld der Diskussion ihre Sachkenntnis einzubringen und den Politikern verständliche Fachinformationen als Grundlagen für ihre Entscheidung zu bieten. Sie sollten dabei aber auch ihre Forderungen für politischen Rahmenbedingungen formulieren, die es ihnen erlauben, die Möglichkeiten der regenerativen Medizin zu erforschen und auszuschöpfen.

Wie diese Möglichkeiten aussehen, zeigte Professor Steinhoff anhand eigener Forschungsergebnisse. Seit 2001 leitet er eine klinische Studie, die den Einsatz von Stammzellen zur Regeneration geschädigter Herzmuskeln untersucht. Seine Arbeiten zeigen, dass die Leistungsfähigkeit des Herzens nach einem Herzinfarkt zunimmt, wenn man Stammzellen in den Herzmuskel injiziert. Erfreulich aus deutscher Sicht: Laut Steinhoff sind hiesige Wissenschaftler mit führend bei der Erforschung von Stammzelltherapien bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Trotz dieser positiven Einschätzung sieht Dr. Jacobs die Zukunft der Stammzellforschung insgesamt in Deutschland eher skeptisch. Neben der Bürokratisierung bei der Beantragung von Forschungsgeldern laufe Deutschland vor allem aufgrund seiner restriktiven Gesetzgebung für die Forschung mit embryonalen Stammzellen Gefahr, in diesem zukunftsträchtigen Bereich der Biomedizin hinter andere Länder in Europa und der Welt zurückzufallen.